Full Frontal

By marlener, March 21, 2008 13:16

Ich habe selten jemanden so direkt ins Gesicht beleidigt, wie gestern.

Donnerstag Abend. Ich stehe beim Gourmet Spar im ersten Bezirk mit einem Spezi und einer Packung DrageeKeksi an der Kassa. Vor mir in der Schlange ein gut angezogener Mann, Mitte Vierzig, frisch aus dem Büro.

Ich schwöre — ich hatte keine bösen Absichten!!

Die Kassiererin zieht seine Einkäufe über den Scanner, während der Mann sie gewissenhaft in sein mitbegrachtes Papiersackerl einschlichtet. Er war beim Einschlichten nicht so schnell, wie die Kassiererin beim scannen, lässt sich in seiner Schlichterei aber nicht aus der Ruhe bringen.
“Einundzwanzig Euro Fünfzig” sagt die Kassierein und wartet. Der Mann schlichtet weiter.

Bis jetzt keine unübliche Situation, nicht?

Wartend und das Schauspiel beobachtend, merke ich wie sich mein Mund öffnet und sagt:

“Wissen Sie was? Ich find das richtig gut, dass Sie sich an der Kassa nicht stressen lassen!”

– Verdammt, wieso muss mein Mund immer Dinge sagen, die mein Hirn noch nicht freigegeben hat…?!
Der Mann dreht sich um und schaut mich an. Mein Gesicht lächelt ihn voller Selbstüberzeugung an. Er verzieht keine Miene, zahlt und geht. Wortlos. DAS ist der Moment, in dem mich der Geistesblitz durchzuckt -Da is was schief gelaufen-
Ich sehe die Verkäuferin mit demselben, immer noch unbeirrten, Lächeln an. Sie lächelt unsicher zurück, begrüßt mich mit einem routinierten “Grüss Gott” und spielt ihre Rolle. Aber ich spür’s — Sie hasst mich! Sie hassen mich beide! Langsam dämmert mir, was genau schief gelaufen ist, in dieser sozialen Interaktion….
NATÜRLICH, haben Mann und Frau Supermarkt mein Kompliment ironisch aufgefasst. Wer auf diesem Planeten sagt sowas auch ernst gemeint?! Außer ich.

Nun aber ernsthaft: nur weil die Maschinen an der Supermarkt-Kassa immer schneller werden, wachsen uns Menschen doch keine zwei zusätzlichen Arme zum Einpacken. Wenn sich jeder Kunde beim Einpacken so viel Zeit lassen würde, wie er Herr vor mir, dann müssten sich die Supermarkt-Ketten etwas überlegen, um die Schlangen kurz zu halten. Vielleicht gäbe es dann Einpackhilfen an der Kassa, wie es sie in Amerika gibt. Leute, die meinen Einkauf verpacken, während ich das Wechselgeld zusammensuchen kann. In Ruhe!!
Das wär doch was?

Also, mea culpa an den Herrn vor mir. So hab ich’s nicht gemeint.

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